Mindestlohn, gute Wohnung, in Deutschland versichert

Bevor der Zoll an einigen Standorten zu Beginn des Jahres seine unangemeldeten Kontrollen zum Mindestlohn durchführte, hatte der von Vion engagierte Wirtschaftsprüfer längst seine ersten Stichproben gemacht. Die Einhaltung des Mindestlohns und des Sozialkodex für die Beschäftigten der externen Dienstleister ist für das Unternehmen eine Verpflichtung, die keine Defizite in der Ausführung erlaubt, die scharfe interne Kontrolle ein Garant für die Einhaltung der Gesetze und Vereinbarungen.

Bei Vion wurde schon lange vor der Vereinbarung der Mindestlohn von mehr als acht Euro gezahlt. Personalchef Roger Legath sagt: „Bei uns wird ordentlich gewohnt, wir achten sehr darauf, dass unsere Dienstleister für ihre Mitarbeiter vernünftige Mietwohnungen bekommen.“

Doch was bei Vion schon seit Jahren funktioniert, war vor den gesetzlichen und tariflichen Vereinbarungen in der Branche nicht unbedingt Standard. Viele der großen Konkurrenten, die sogar mehr als 80 Prozent ihrer Beschäftigten mittels externer Unternehmen im Werkvertrag engagieren, unterliefen soziale Standards und wollten aus Wettbewerbsgründen daran auch gar nichts ändern. Doch das ging nicht mit Bernd Stange, COO Beef und Sprecher des Managements in Deutschland. „Die NGG hat mit ihren Aktionen viel Unfrieden in die Arbeitnehmerschaft der Betriebe gebracht, sie hat Unternehmen mit zum Teil unwahren Behauptungen angegriffen“, sagt Stange. „So konnte es nicht weitergehen, ich wollte endlich diese negativen Schlagzeilen beenden.“ Das Vorgehen der NGG machte es für Stange nicht leicht, den Weg zu Verhandlungen über Mindestlohn und soziale Standards einzuschlagen, „denn in unserer Branche herrschte viel Skepsis gegenüber der Gewerkschaft“, erinnert er sich.

„Wir konnten das Thema ja nicht allein regeln. Um wirklich Verbesserungen für die Arbeitnehmer vor allem aus den Werkvertragsunternehmen zu schaffen, war eine Branchenlösung notwendig“, sagt der COO. Vion habe sich seit mehreren Jahren für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns eingesetzt. Doch in der Politik sei das aus unterschiedlichen Gründen nicht durchzusetzen gewesen. „Das haben wir im Frühjahr 2014 erkannt und Vion hat sich daraufhin in der Branche auch über unsere angeschlossenen Fachverbände bei allen Marktteilnehmern für die Aufnahme von Verhandlungen mit der NGG zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns eingesetzt“, betont Stange das Engagement des Unternehmens.

In Interviews, unter anderem mit der angesehenen Berliner Hauptstadtzeitung „Tagesspiegel“, erläutert Bernd Stange dann, warum es notwendig ist, mit Arbeitskräften zu arbeiten, die überwiegend aus Osteuropa kommen. „Es ist nun einmal so, dass die Fleischwirtschaft in Deutschland gezwungen ist, ihre Gewerke an externe Dienstleister zu vergeben, da sie auf dem heimischen Arbeitsmarkt keine Arbeitskräfte in ausreichender Zahl findet. Wir haben ein Riesenproblem damit, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Und das liegt sicherlich nicht nur an der Bezahlung.“

Roger Legath will sich nicht damit abfinden, dass die Fleischindustrie nur noch wenige junge Menschen in Deutschland dafür begeistern kann, sich zum Metzger ausbilden zu lassen. Er will an Haupt- und Realschulen eine Informationsoffensive starten. „Denn wer bei uns in die Lebensmittelindustrie einsteigt, landet nicht automatisch im Schichtbetrieb, sondern hat großartige Karrierechancen. Wenn man Leistung zeigt, kann man schnell aufsteigen.“ Doch der HR Manager weiß auch, wie schwer es ist, Nachwuchs anzuwerben. Sein Schreibtisch steht in Buchloe im Allgäu, einer Region, in der zurzeit nur 2,3 Prozent der Menschen arbeitslos gemeldet sind. „Hier herrscht quasi Vollbeschäftigung, und das schon seit vielen Jahren“, sagt Legath. Die Rekrutierung von neuem Personal ist fast aussichtslos. Das ist heute nicht anders als schon vor zehn Jahren.

Was also tun? „Vion hat zwar aus diesem Grund schon lange mit externen Dienstleistern gearbeitet, aber im Gegensatz zu großen Wettbewerbern nie ganze Belegschaften ausgetauscht“, erinnert sich Legath. „Wir hatten bis vor wenigen Jahren noch einige Betriebe, die nur mit eigenen Mitarbeitern arbeiteten, die Vion FKM Furth im Wald kann dies als grenznaher Betrieb zu Tschechien auch heute noch.“ Die Treue zum Unternehmen ist heute in jeder Ausgabe der „unteruns“ sichtbar, wenn wieder Mitarbeiter für 40 oder 25 Jahre Zugehörigkeit zum Unternehmen geehrt werden.

Doch diese lange Verbundenheit mit Vion zeichnet nicht nur die eigenen festen Mitarbeiter aus, sondern auch die externen Dienstleister. Die Standortleiter wie Jürgen Lieb in Buchloe oder Gerhard Pfeffer in Landshut kennen ihre Werkvertragsunternehmen zum Teil schon seit mehr als 20 Jahren. „Da gibt´s nur ganz selten einen Wechsel“, weiß Legath. Und Lieb betont, dass es sich bei den Beschäftigten auf Werkvertragsbasis nicht nur um Osteuropäer handelt, „wir haben auch eine ganze Reihe von Deutschen, die schon lange dabei sind“.

Es geht nicht um Billiglöhne, wie immer behauptet wird. Es geht heute vielmehr um Flexibilität in einem Geschäft, das saisonal sehr unterschiedlich läuft – sowohl was das Angebot der Tiere als auch was die Nachfrage des Handels betrifft. Da ist es für das Unternehmen vorteilhaft, mit Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die ihre Arbeitskräfte flexibler disponieren können, als wenn diese in einem festen Beschäftigungsverhältnis stehen.

Da zahlt es sich aus, wenn man auf „lange Geschäftsbeziehungen und gute Erfahrungen“ mit den Dienstleistern zurückblicken kann, wie Legath betont. Beim Engagement der externen Unternehmen zähle für Vion „nicht der Preis, sondern das wirtschaftlichste Angebot“. Das heißt: Die Qualität der Mitarbeiter muss stimmen. Und: dass die seit August 2014 geltenden Tarifabsprachen und der Verhaltenskodex eingehalten werden. Dabei geht es nicht nur um den Mindestlohn, der inzwischen von 7,75 auf 8 Euro gestiegen ist und im Oktober dieses Jahres noch einmal erhöht wird – auf dann 8,60 Euro.

Folgen Sie VION

News

Vion konzentriert Produktion in Niedersachsen auf Standort Emstek und beabsichtigt Schließung von Zeven

Vion startet in den Niederlanden mit neuem nachfrageorientierten Ansatz in der Schweinemast

Vion investiert 8 Millionen Euro in den Produktionsstandort Apeldoorn

Vion und Deutscher Tierschutzbund ziehen Bilanz: Tierschutzlabel ist ein Erfolg